Sonntag, 30. September 2012

Samstag, 29. September 2012

Integration ... im Supermarkt

Dass ein Supermarkt die besonderen Bedürfnisse einer der ethnischen oder religiösen Minderheitengruppen bedient, habe ich zum ersten Mal vor zehn Jahren in Paris gesehen. Dort gab es in manchen Supermärkten ein Regal mit koscheren Lebensmitteln, mit halal Lebensmitteln, oder beides. Ich, Deutsche, konnte es kaum glauben.

Ähnlich groß war mein Erstaunen, als ich vor zwei Jahren hier in London entdeckte, dass in manchen Supermärkten nicht nur eine kleine Auswahl sondern ganze Regale voller "ethnischer Produkte", wie man hier sagt, angeboten werden. Meistens in den Vierteln, in denen auch die entsprechenden potentiellen Konsumenten leben.

Nicht weit von dem Viertel, in dem wir zurzeit leben, und das in ganz London eines der multikulturellsten ist, sieht das dann so aus:


Mit "Asian" ist hier südasiatisch gemeint. "Oriental" ist fernöstlich. Und neben der Bezeichnung "Halal" steht der Begriff gleich auch noch in arabischen Schriftzeichen - damit wirklich jeder schnackelt, was er hier bekommt. (Übrigens gibt es in manchen großen Supermärkten in Ostlondon neben der regulären Fleischtheke auch noch eine extra Halal-Fleischtheke.)


Hier gibt's die leckeren Oliven, eingelegte Weinblätter und Sesampaste:


Und hier diverse koschere Lebensmittel:


Koscher Wein:


Auf der anderen Seite: diverse europäische Spezialitäten.


Und auch wer in Großbritannien lebt und karibische Spezialitäten vermisst, findet hier zumindest die eine oder andere Zutat, das eine oder andere Fertiggericht:


In der "Halal"-Abteilung wurde auch ich fündig: Haribo-Tropifrutti - nicht nur in der Halal-Version (ich hab euch lieb, ihr türkischen Gummibärchen-Hersteller!), sondern zudem um die Hälfte reduziert. Oh yes.

Ostlondon, September 2012

Dienstag, 25. September 2012

Johnny Cash

Eine der berühmtesten Platten von Johnny Cash ist bestimmt "At Folsom Prison", ein 1968 erschienenes Livealbum, das im kalifornischen Folsom State Prison aufgenommen wurde. Mein Lieblingsstück auf der Platte ist:

Johnny Cash: Folsom Prison Blues

Eine Live-Aufnahme aus den 1950ern, leider ist nicht das ganze Lied zu hören...



...deshalb hier das Lied noch einmal in Gesamtlänge:



Johnny Cash und June Carter: Jackson

Richtig gerne mag ich auch "Jackson", das auf der zweiten Seite der Originalplatte (von 1968) erschienen ist. June Carter - was für eine Stimme!


Montag, 24. September 2012

Ein bisschen Balkan in Deutschland

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Bioskop Balkanale (West) - Balkan Filmtage in Leipzig 

"Vom 23. bis 28. September 2012 findet in Leipzig die erste Balkanale, ein Filmfestival mit dem Fokus Kino aus Südosteuropa, in der naTo in Leipzig statt.

Es werden unter dem Titel: Bioskop Balkanale (West) aktuelle Spielfilme und Dokumentarfilme aus Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Kroatien, Serbien und Slowenien präsentiert.

Die Thematik der aktuellen Kinofilme reicht von EU-Integration über interreligiösen Dialog bis zur Verarbeitung von Kriegstraumata.

Als Rahmenprogramm sind während der Balkanale zahlreiche Gäste für Filmgespräche eingeladen, die zur Diskussion und zum Austausch anregen. Liebhaber der landschaftlichen Reize des Balkans werden beim Kinoerlebnis Balkanale durch eindrucksvolle Bilder auf der Kinoleinwand ebenfalls auf ihre Kosten kommen.

Das gesamte Programm findet ihr hier und auf den Internetseiten der Cinematheque Leipzig und auf Facebook - Bioskop Balkanale. An unserem Abschlussabend am 28.09.2012 wird sich ab 22 Uhr das Kneipenrestaurant Lulu Lottenstein auf der Karl-Liebknecht-Straße in einen Jugsalon verwandeln und neben Musik und guter Laune werden Fotografien des serbischen Fotografen Branislav Jesić zu bestaunen sein."

Sonntag, 23. September 2012

Letztens ... im Supermarkt


Oder: Nein, so 'was gibt es in Deutschland nicht

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Ostlondon, September 2012
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Und ich bin mir nicht sicher, ob ich es komisch finde, 
weil ich in einem Land groß geworden bin, 
in dem so etwas nicht normal ist - oder weil es tatsächlich komisch ist.

Samstag, 22. September 2012

Fairouz

Fairouz: Bint El Shalabiya


Freitag, 21. September 2012

#MuslimRage

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Von wegen, "Muslime haben keinen Humor". Nachdem die Sache schon seit einigen Tagen auf Facebook und Twitter kursierte, hat es die #MuslimRage-Kampagne, die auf satirische Art und Weise die Berichterstattung über die jüngsten Ereignisse in Teilen der muslimischen Welt kritisiert, in der Zwischenzeit auch auf SPIEGEL Online geschafft. Wo? Hier. Und zum ursprünglichen Artikel auf gawker.com geht's hier.

Meine Favourites?

I'm having such a good hair day. No one even knows. #MuslimRage

Lost nephew at the airport but can't yell his name at the airport, because his name is Jihad #MuslimRage

MuslimRage - rrrrrrrrrrrrrrraaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhh!!!!!    

He he he

Donnerstag, 20. September 2012

Mittwoch, 19. September 2012

Islamische Netzwerke

Für Kurzentschlossene: Heute findet ab 19.00 Uhr in der HU in Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema

Islamische Netzwerke in der Türkei, Deutschland und Europa 

statt. Es sprechen Tuba Işık (Doktorantin Uni Paderborn, Mitglied der Islamkonferenz, Vorsitzende des Aktionsbündnisses muslimischer Frauen), Kerem Öktem (Uni Oxford), Werner Schiffauer (Uni Frankfurt (Oder)) und Günter Seufert (Stiftung Wissenschaft und Politik).

Die Teilnahme sollte per E-Mail vorab bestätigt werden: netzwerk.tuerkei [ät] googlemail [punkt] com.

Alle weiteren Infos finden sich hier.

Dienstag, 18. September 2012

Nicht menschenwürdig

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Wie war das noch gleich, "alle Asylanten sind Schmarotzer"?! Liebe Ignoranten, wie wär's mal mit 'nem Selbstversuch: 4 Wochen Asylbewerberheim - na, wie wär's?

Echt, das so was erlaubt ist, bei uns - eine Schande.

Montag, 17. September 2012

The Sifr

The Sifr: A Global Jam Session



Mehr zu dem Projekt und den teilnehmenden Künstlern findet ihr auf dieser Youtube-Seite.

Sonntag, 16. September 2012

Kinderbetreuung in den Niederlanden

Flächendeckende bezahlbare Kleinkindbetreuung, Teilzeit für Mann und Frau, ganzjährige Kitaöffnungszeiten... Mönsch, warum gibt's so was nicht auch bei uns?

Freitag, 14. September 2012

Bengasi 2.0

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Stimmung: schlecht

Am Dienstag starben Unschuldige in Libyen.

Am Donnerstag erinnerte ich Sam, der etwas über einen der in Bengasi getöteten Amerikaner schrieb, daran, dass nicht nur Amis gestorben sind ... weil ich es unglaublich fand, wie in den Medien hier nur von amerikanischen Opfern gesprochen wurde, als zählten die Opfer, die nicht das Privileg eines amerikanischen Passes hatten, nicht.

Aber Sam ist mein Freund, er ist Amerikaner, da sind drei seiner Leute ermordet worden, seine Botschaft angegriffen, seine Flagge verbrannt worden, und mir tat der Kommentar bald schon Leid. Nicht, weil ich glaubte, dass er falsch war, aber weil es Orte und Zeiten gibt, zu denen man bestimmte Sachen nicht sagt, weil es unpassend wäre. Oder anders herum: Alles hat seinen Ort und seine Zeit. Für diesen Kommentar war das nicht der richtige Platz, nicht der richtige Zeitpunkt.

Am Freitag schrieb ich Sam. Eine Entschuldigung. Und wie es ihm geht.

Und er schreibt.

Und ich könnte mit dem Kopf gegen die Wand schlagen.

Und er schreibt.

Und ich weine.

Greg, einer der Männer, die in Bengasi starben, war ein Freund. Ein sehr guter Freund. Sam hat durch eine E-Mail vom Tod des Freundes, der Mitglied einer amerikanischen Eliteeinheit erfahren. Und sitzt jetzt in einem der konservativsten arabischen Länder, wo er studieren soll, als Ami, zum ersten Mal im Nahen Osten, allein unter Einheimischen, und trauert um seinen Freund, trauert in einem Umfeld, in einer Situation, die wohl unpassender nicht sein könnte.

Und ich sitze hier, und die Ereignisse im Nahen Osten waren schon vorher hier bei uns im Wohnzimmer angekommen, durch Farah, die sich über ihre randalierenden Landsleute in Libyen aufregte, durch Noura in Ägypten, die sich sicher war, dass das, was da in ihrer Stadt, in Kairo vor sich gegangen war, eine organisierte Aktion war, durch Ishak, der sich über die einseitige Berichterstattung aufregte.

Aber jetzt ist der Schmerz hier. Was eigentlich nicht so sein sollte, sollte man nicht von jedem gewaltsamen Tod gleichermaßen getroffen sein, unabhängig davon ob er jemanden im eigenen Umfeld betrifft oder nicht?, aber der Schmerz ist erst jetzt hier.

Und ich sitze hier und weine, um Greg, mit dem ich wahrscheinlich nicht viel gemeinsam hatte, den ich und der mich komisch gefunden hätte, dessen politische Meinung ich für unvertretbar gehalten hätte - und er mich für einen Extremist -, weine um Greg und weine für Sam.

Best of Jobsuche

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Teil 1: Best of Stellenausschreibung

"Wir suchen eine engagierte und initiative Persönlichkeit, die gut mit hektischen Situationen umgehen kann." (Aha.)

"Candidates must also be prepared to work unsociable hours." (Na klar.)

"Please tick the box: Ethnicity: o Hispanic or Latino / o Not Hispanic or Latino" (Hä?)

"Error: incomplete application form. This field is required: sexual orientation." (Wutt???)

"You may use continuation sheets or re-type the whole form if you wish." (Sonst geht's aber?!)

"Wir freuen uns besonders über Bewerbungen von Frauen und Behinderten." (Super, das wollte ich hören.)

"Auch gut: die siebenseitige job description und person specification... (Müsste grade noch mal nachschauen, ob "schafft es, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen" eine der Anforderungen war. Eher nicht...?)

Donnerstag, 13. September 2012

Kairo, Bengazi, brennende Botschaften

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11. September - 13. September 2012

Spätabends ist es, Dienstagabend, als ich von Farah, die in London gerade ihr Jurastudium beendet hat, deren Familie aus Lybien kommt, vom brennenden Konsulatsgebäude in Bengazi erfahre. Der Teil von Farahs Familie, der nicht wie ihre Eltern schon seit Jahren in Großbritannien lebt, ist in Bengazi. Ihre Eltern stammen von dort, ihre Onkel und Cousins haben während des Aufstands gegen Qaddafi auf Seiten der Rebellen gegen das Regime gekämpft. Supersauer ist sie, wie sie da vor ihrem Computer sitzt und in die Tasten haut, ich sehe sie vor mir, das hübsche Gesicht, ein bisschen schief gebundene Kopftuch:

"This is getting embarrassing!"

"So a coptic Egyptian makes an offensive film about the prophet peace be upon him and the youth of benghazi decide to burn the American consulate and kill one of its diplomats! my dear benghazi when will you give it a rest! its not the consulate's fault! so why burn it and why kill! this is getting embarrassing!"

Noch nicht auf deutschen Nachrichtenseiten

Ein toter amerikanischer Diplomat in Bengazi? Ich checke die großen deutschen Nachrichtenseiten. Keine Spur von einer Berichterstattung über die Ereignisse in Lybien. Auf Aljazeera English wird zumindest von den Angriffen auf die Botschaft in Kairo berichtet - aber auch hier: kein Wort von Lybien. "Mal wieder", denke ich mir, meistens höre ich von Ereignissen im Nahen Osten zuerst durch meine Freunde, die meist wegen der Verwandtschaft eine Verbindung zu dem jeweiligen Land haben - oder selbst dort leben. Zuversichtlich, dass die Nachricht am nächsten Tag auch in Europas news rooms angekommen sein wird, lege ich mich schlafen.

Lybien ist nicht Iran, 1979 nicht 2012

Genau so kam es. Am nächsten Morgen ist der erste Artikel, auf den ich stoße, It Ain't 1979 Anymore, im amerikanischen Foreign Policy erschienen. Verschickt hat ihn Mina, deren christliche Familie nach der Revolution im Iran wenig zu lachen hatte - und heute in Deutschland lebt. Im Artikel erklärt der Autor, weshalb 2012 nicht 1979 ist, sich die Geschichte nicht wiederholt - mit teils überzeugenden Argumenten, derer er sich selbst jedoch nicht 110% sicher zu sein scheint: weshalb sonst die vielen "es scheint", "eher nicht", "sieht nicht danach aus"? Oder vielleicht bin ich auch nur endlich auf einen Journalisten gestoßen, der seine Vermutungen und Einschätzungen als genau das verkauft, was sie auch sind - und nicht als die einzige und unumstößliche Wahrheit. 

Entspricht nicht den Lehren des Propheten

Derweil weist Farah auf den Widerspruch zwischen dem Verhaltens des Mobs in Bengazi und Kairo und dem Vorbild des Prophetens, den sie zu verteidigen vorzugeben, hin:

"The Prophet peace be upon him said : " One of the evil deeds with bad consequence from which there is no escape for the one who is involved in it is to kill someone unlawfully." The people claiming they destroyed and killed in the name of the prophet yesterday in Benghazi obviously do not follow his teachings."

Ein paar Gewalttäter, die schweigende Mehrheit

Sie ist außer sich, zu sehen, wie vor ihren Augen diese Menschen ihrer Hoffnung auf ein freies, ein demokratisches Lybien Brandschatzung, Mord und Gewalt entgegen setzen:

"A few hundred people ruin the work and effort of millions :( there was a time when Benghazi was considered a beautiful thing, a revolutionary city vibrant and always rejecting oppression...a few hundred people tarnish that reputation forever and we, the silent majority, must suffer!"

Gegendemonstration und Lybier, die für Amerikaner starben  

Sie verschickt ein Bild von einer Gegendemonstration in Bengazi, ein Schild ist zu sehen: "Bengazi is against terrorism", ein weiteres: "Chris Stevens was a friend of all Lybians", und sie schreibt von den lybischen Toten: 

"10 Libyan security guards were killed by the extremist mob that attacked the US Embassy. Let it be known that these heroes tried."

Moment - 10 lybische Tote? Die bei dem Versuch starben, das US-Konsulat zu beschützen? 10 Tote? Warum lese ich davon in den britischen, deutschen, amerikanischen Medien nichts? 

Doppelmoral in vielen westlichen Medien

Darüber regt sich auch Ishak auf. Aus dem indischen Teil Kaschmirs stammend, in Ostafrika aufgewachsen, weiß er etwas von Krisengebieten dieser Welt. Studiert hat er an einer amerikanischen Ivy League-Uni und in London. So sehr er den Tod des amerikanischen Konsulatspersonals bedauert, ist er fassungslos angesichts der Tatsache, dass von den lybischen Toten zum Beispiel kaum die Rede ist. Oder, dass ein Toter Amerikaner wahnsinnig viel Presse macht, wohingegen dutzende tote Pakistanis zum Beispiel generell eher weniger interessieren. Er zitiert einen Artikel, der im britischen Guardian erschienen ist.

Spontane Gewalt, organisierter Angriff, Vorwand zur Randale?

Für Noura, die mit uns in London studiert hat und seit einem Jahr wieder zurück zu Hause in Ägypten ist, ist klar, dass das kein spontaner Ausbruch von Gewalt sondern ein organisierter Angriff auf die amerikanischen Vertretungen war. Das Team vom ägyptischen Arab West Report weist auf die brisante Mischung von protestierenden Salafis und gewaltbereiten Fußballfans vor der Botschaft in Kairo hin. Chefredakteur Cornelis Hulsman geht noch einen Schritt weiter und analysiert die Hintergründe der Proteste und das Viereck der Beziehungen zwischen ägyptischen Kopten und Muslimen, Kopten in der Diaspora und westlichen Medien.

Und Sam

Und dann ist das noch Sam. Der, junger Amerikaner, selbst gerade, zum ersten Mal, im Nahen Osten unterwegs ist, irgendwo dort alleine in einem ihm fremden Land hockt - und dann so was. Angriffe auf die Botschaften seines Landes, ein getöteter Diplomat seines Landes, zerrissene und brennende Fahnen, seines Landes. Ich hoffe, dass seine Familie sich nicht allzu sehr Sorgen um ihn macht, dass er das auch nicht tut; weiß, dass er da, wo er ist sicher ist, bis mir einfällt, dass es anti-amerikanische Ausschreitungen, mit Toten, in dem Land, in dem er gerade unterwegs ist, auch schon, gab.  

Ein trauriger Tag  

Sam will noch fertig studieren und dann zur Army, Marines oder so. Einer der in Bengazi getöteten Amerikaner gehörte zum Freundeskreis eines seiner Bekannten. Sam schreibt davon, was für ein trauriger Tag das für ihre Gemeinschaft ist, und ich stimme ihm zu, und weise dann auf die die anderen Toten hin, die Lybier, die starben bei dem Versuch, das Konsulat zu schützen, und wenig später bereue ich die Zeilen schon. Es gibt Zeiten und Orte, um bestimmte Dinge zu sagen. Und manchmal ist es, auch wenn man Recht hat, besser, einfach mal den Mund zu halten. Denn, politics aside, es ist ein trauriger Tag.

Integration: die Pakistanis

Integration ist ankommen und da sein. 
Dazu gehören und mit reinpassen, 
trotzdem noch man selbst sein. 
Sich an das Hier anpassen und das Jetzt verändern. 
Was mitbringen, was annehmen.
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Zu Nadeem kommen sie alle. Die Schulkinder auf dem Weg nach Hause, die junge Mutter mit Baby im Buggy und Kindergartenkind an der Hand, die beiden Jungs auf dem Weg in die Disco, der alte Mann, der alleine kommt und sehr lange dort sitzt, vor sich auf den Tisch schaut und kaut. Afrikaner, Inder, Pakis, Bulgaren, Litauer und "weiße" Engländer, wie man hier sagt. Pommes für ein Pfund, Pizza für zwei, Chicken-Tikka-Menü für dreifünzig. 'ne Dose Copla für 50p. Allen schmeckt's, gesund ist es nicht, und bei Nadeem kommt gut Geld rein. Abends riecht er nach Öl, den wird man nicht so leicht los, den Gestank.




Bilder: Lieselotte, Ostlondon, Spätsommer 2012

Dienstag, 11. September 2012

Life

"When I hear somebody sigh 'life is hard', I am always tempted to ask …'compared to what'?"

Sydney J. Harris

Sonntag, 2. September 2012

Integration: die Litauer


Integration ist ankommen und da sein. 
Dazu gehören und mit reinpassen, 
trotzdem noch man selbst sein. 
Sich an das Hier anpassen und das Jetzt verändern. 
Was mitbringen, was annehmen.

Bild: Lieselotte
 Ostlondon, Sommer 2012

Einen kleinen Lebensmittelladen, ne Pizzeria oder Dönerbude aufmachen ist wohl einer der Klassiker, wie man es als jemand, der neu ins Land kommt und den ein bisschen Unternehmergeist piesackt, finanziell (und dann auch sonst) Fuß fassen kann. Und so hat Deutschland seine kleinen Pizza-, Döner- und China-Buden (die in der Zwischenzeit oft von Indern betrieben werden) und London seine pakistanischen chicken shops (wo es, nein, keine lebendigen sondern gebratene Hühner gibt, der Name ist da für nicht-England-Kundige nicht unbedingt unzweideutig). In den letzten Jahren öffneten in manchen Teilen der Stadt viele polnische Cafés (ja, richtige Cafés wie in Kontinentaleuropa! Rarität im Land der Pubs...), litauische Lebensmittelläden und Friseursalons...

Aber es geht noch weiter. Thai- und indisches Essen steht in traditionellen englischen Pubs schon lange auf der Karte. Und in der Zwischenzeit gibt es Pubs, die von außen aussehen, wie man sich einen englischen Pub eben vorstellt ... aber drinnen laufen die Kellnerinnen in litauischen Trachten umher und auf der Karte haben baltische Spezialitäten englische Traditionskost verdrängt... Ein weiteres Beispiel von Integration à l'anglaise kam mir kürzlich in Stratford vor die Linse. Lituanica - ein typischer englischer Kleinwarenladen - und nicht nur ein kleiner irgendwie zusammengefriemelter Tante-Emma-Laden, wie es hier so viele gibt, sondern ein professionell aufgemachter kleiner Supermarkt, Teil einer Kette (!) mit Logo und Slogan (!!), die the best from home anbietet. Na, wenn das mal nicht was ist.

Samstag, 1. September 2012

Die gleiche Stadt war das nicht mehr

Oder: Ein Ort in Ostdeutschland vor der Wende 
und 10, 20 Jahre danach

In der Stadt, in der ich in Deutschland studiert habe, irgendwo im Osten der Republik, hatte sich 10, 20 Jahre nach der Wende viel getan. Ein Großteil der Häuser, vor allem im Zentrum der Stadt, waren saniert worden, manches abgerissen, und die eine Einkaufshalle, die andere Shopping Mall neu dazu gekommen. Das eine oder andere Gebäude stand zwar noch immer wie vor einigen Jahren da, aber die gleiche Stadt war das nicht mehr. Es sah neuer aus, schicker, weniger nach DDR, mehr nach neuem Deutschland, was immer das auch sein sollte.

Ein neuer Staat

Mit der Verabschiedung des alten Oststaates waren aber nicht nur neue Gelder für Stadtplanung und die Aufmöbelung der Infrastruktur in die Kasse geflossen, die Bewohner der Stadt sahen sich auch mit einer Umwälzung konfrontiert, die ihresgleichen sucht. Ein neuer Staat, neues Geld, neue Telefonnummern, Postleitzahlen, ein neues Schulsystem, neue Geschichten von Gut und Böse, neue Helden und Verlierer. Arbeitslosigkeit.

Perspektivlosigkeit

Perspektivlosigkeit. Ob hier irgendwann mal wieder irgendwas richtig ginge? Klar gab es noch lokale Betriebe, Einzelhandel, die Universität, eine Institution hier, eine Organisation dort, wo der eine oder andere unterkam (oder untergekommen bleiben konnte), aber insgesamt sah die Situation nicht rosig aus. Die, die konnten, packten. Und gingen. Und so kam es, dass die Einwohnerzahl der Stadt drastisch sank. Ab in den Westen. Gingen viele.

Wohnen wollte da keiner

Die Wohnungen, die sie hinterließen, die sie zuvor noch gemietet hatten, standen eine Weile leer. Waren saniert worden oder auch nicht. Aber irgendwann stellte sich die Frage, was zu tun sei mit Tausenden, Zehntausenden an leeren Wohnungen. Manches machte sich ja nach der Sanierung ganz gut. Neu verputzt und gestrichen, neues Bad, neue Küche und ein Balkon dran - das macht schon 'nen Unterschied. Aber anderswo in der Stadt wäre es wohl einfach zu teuer geworden, all diese Blöcke zu renovieren. Und: wohnen wollte da, etwas auswärts gelegen, keiner. Sanierte Platten (die nach der Renovierung eigentlich genauso aussahen wie ähnliche Wohnblöcke im Westen), sanierte Platten gab's auch näher am Zentrum, genauso nett renoviert, aber besser angeschlossen und schöner gelegen.

Stadtteile, die es nicht mehr gibt

Es gibt Leute, die, ungefähr so alt wie ich, in der Stadt, in der ich studiert habe, groß geworden sind, und die, wenn sie heute zu Besuch in die Stadt fahren - denn wohnen tun sie da schon lange nicht mehr -, das Viertel, in dem sie einst groß wurden, nicht mehr erkennen. Weil so viel abgerissen wurde, dass es den Stadtteil nicht mehr gibt, so nicht mehr gibt, wie vorher.

Gang der Dinge?

Wahrscheinlich ist das normal, und einfach der Gang der Dinge (hatten wir das nicht schon mal beim Thema Gentrifizierung?), und für die, die damals Kinder waren, einfach auch Teil des Erwachsenwerdens und Teil des Prozesses, zu verstehen, dass sich genauso wie sich die Dinge ändern, man selbst sich ja auch ändert - aber es gibt nun mal Leute, die, wenn sie zurück an den Ort fahren, an dem sie groß geworden sind, durch Straßen und an Häusern vorbei laufen können, die sich zwar verändert haben, aber noch da sind.

Bilder

Wie ich - wieder - auf das Thema komme? Durch eine Fotoserie einer jungen Fotografin, die Orte ihrer Kindheit - lange nach der Wende: es tut sich auch heute noch viel! - im Abstand mehrer Jahre wiederbesucht, abgelichtet und mit Aufnahmen, die dort in ihrer Kindheit entstanden sind, kontrastriert hat. Und durch diesen Artikel über einen jungen Mann aus dem Westen, der um 1990 und dann noch einmal zehn Jahre später Ansichten von Ostdeutschlands Innenstädten dokumentierte. Mensch, was ein Wandel!

Frankfurt (Oder). Oder Chemnitz. Brandenburg. Görlitz. Eberswalde. Cottbus. Greifswald. Rostock. Wismar. Stralsund. Freiberg. Zwickau. Halle. Magdeburg. Jena. Weimar. Oder so.